Anleihen: Wer leiht Was und von Wem? Rendite, Zinssatz & Kupons

Anleihen

Das ist grundsätzlich die „Soft-Version“ der Wertpapiere (hinsichtlich Risiko).

Grundbegriffe rund um die Anleihe im Detail

Die Öffentliche Hand (Staat, Bundesländer, Gemeinden) und Unternehmen benötigen für deren Investitionen mittel- bis langfristig Geld und beschaffen sich dies auch in Form von Anleihen.

Wenn du nun eine Anleihe kaufst bist du der Gläubiger (bedeutet der Andere ist dir Geld schuldig) und der Emittent (=Herausgeber wie oben beschrieben) der Schuldner. Deine Rechte werden im sogenannten Mantel verbrieft (= sichergestellt).

Was sind Kupons?

Dazu gibt es einen Bogen mit sogenannten Kupons, die dir ein Recht auf eine festgelegte Verzinsung garantieren. Die Auszahlung der Zinsen erfolgt meistens ganzjährig, selten mehrmals pro Jahr.

Die Zinsen werden vom Nominalbetrag gerechnet, dazu ein Beispiel:

Du kaufst dir eine Anleihe um 10.000 Euro (Nominalwert), und der Kurs liegt bei 103, die Verzinsung 4 %.

Die Zinsen werden vom Nominalwert berechnet, somit erhältst du pro Jahr 400 Euro, als Kaufpreis musst du jedoch 10.300 Euro hinlegen, denn Anleihen notieren (= der Wert wird berechnet) mit einem Prozentsatz.

Ok noch nicht ganz verstanden?

Dann schau dir bitte das ausführliche Rechenbeispiel an.

Rendite von Anleihen berechnen, so geht’s

„Wer überrascht, gewinnt. Aber unverhofft kommt leider viel zu selten“ (Sabine Hübner; geboren 1966, Sachbuchautorin)

Die Rendite der Anleihe berechnen (= Ertrag)

100 % x (Nominalzins + (Verkaufskurs – Kaufkurs)  /Laufzeit) / Kaufkurs %

      100 % x (4,90% + (100 – 106) / 7,5) / 106% = 3,87%

Beispiel: Rendite berechnen

Aktueller Kurs: 106,00%
Kupon (Nominalzins): 4,90%
Nominalwert: 1.000,00€
Rückzahlungskurs: 100,00
Restlaufzeit: 7,50 Jahre
Kennzahlen
Laufzeit: 7,5 Jahre Effektiver Jahreszins (Rendite): 3,87 %
Summe der Auszahlungen (Erträge): 1.392,00 € Summe der Einzahlungen (Investitionen): -1.084,50 €
Überschuss (Gewinn): 307,50 €    
Jahr Vorgang Betrag Saldo
0 Kauf -1.060,00 € -1.060,00 €
0 Stückzinsen -24,50 € -1.084,50 €
0.5 Zinszahlung 49,00 € -1.035,50 €
1.5 Zinszahlung 49,00 € -986,50 €
2.5 Zinszahlung 49,00 € -937,50 €
3.5 Zinszahlung 49,00 € -888,50 €
4.5 Zinszahlung 49,00 € -839,50 €
5.5 Zinszahlung 49,00 € -790,50 €
6.5 Zinszahlung 49,00 € -741,50 €
7.5 Zinszahlung 49,00 € -692,50 €
7.5 Rückzahlung 1.000,00 € 307,50 €

Falls du nicht selbst kalkulieren willst, findest du auf Finanzrechner.org einen einfach zu bedienenden Rechner (Hauptpunkt „Geldanlage-Rechner“ dann -> Anleihenrechner)

Bei der Höhe der Zinsen solltest du aber vorsichtig sein, denn unverhältnismäßig hohe Zinsen deuten meist auf eine schlechte Bonität  (= Kreditwürdigkeit bzw. Zahlungsfähigkeit), des Emittenten hin, denn für ein erhöhtes Risiko muss dieser eben mehr Zinsen bezahlen als üblich.

Anleihen haben diesen Vorteil gegenüber Aktien!

Der Vorteil gegenüber Aktien besteht darin, dass im Konkursfall des Emittenten eine vorrangige Rückzahlung für dich besteht, dies bedeutet, zuerst werden die Käufer der Anleihe bezahlt, und dann erst die Aktionäre, natürlich nur soweit welche vorhanden sind.

Der Nachteil gegenüber Aktien liegt darin, dass die Besitzer von Anleihen keine Stimmrechte haben und somit nicht bei den Emittenten „mitreden“ dürfen.

Bezüglich der Verzinsung gibt es verschiedene Varianten, wir greifen hier die für dich am wichtigsten drei heraus:

Festverzinsliche Anleihen bieten wie der Name schon sagt eine garantierte gleiche Verzinsung während der gesamten Laufzeit und werden auch straight bonds genannt. Sie haben natürlich den Nachteil, dass du bei einem steigenden Zinsniveau nicht von diesem profitieren kannst, bei fallendem hast du eben einen Vorteil.

Anleihen mit einem variablen Zinssatz, auch Floater genannt:

Die Verzinsung wird den Zinssätzen am Kapitalmarkt angepasst, als Anpassungsfaktor wird meist der LIBOR (London Interbank Offered Rate; ist ein im Interbankengeschäft festgelegter Zinssatz) oder der EURIBOR (European Interbank Offered Rate; ist der Zinssatz für Termingelder in Euro im Interbankgeschäft; Termingeld = auch Festgeld genannt; Laufzeit und Kündigungsfrist beträgt mindestens einen Monat).

Vielleicht hast schon von einer Zerobond-Anleihe gehört; in diesem Fall gibt es keine Kupons, bedeutet, dass du während der Laufzeit keine Zinsen erhältst; als Ausgleich zahlst du beim Kauf der Anleihe einen geringeren Preis als den Nominalwert und erhältst diesen aber meist zu 100 % zurück.

Wenn du beim Wertpapierkauf ein kleineres Risiko eingehen willst, dann kaufe Anleihen, denn diese sind geringeren Schwankungen (= Volatilität) ausgesetzt als Aktien. Änderungen beim Kurs ergeben sich meistens durch die verschiedenen Werte der Marktzinsen, aber auch durch die Veränderungen bei der Bonität des Emittenten.

Übrigens erfolgt der Handel mit Anleihen nur zu einem geringen Teil über die Börse, denn die Banken kaufen diese entweder bei anderen Kreditinstituten oder haben diese im eigenen Portefeuille (= Bestand). Diese nicht über die Börse gehandelten Werte heißen OTC-Geschäfte (= Over the counter).

Bei Anleihen gibt es aber auch Transaktionen, die über elektronische Handelssysteme erfolgen. Das hat sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt (elektronischer Handel heißt auch Computerbörse, Käufer und Verkäufer werden so gemanagt).

Was sind Wandelanleihen?

Diese werden zunächst wie alle anderen, üblichen Anleihen herausgegeben, nur hat der Käufer die Möglichkeit, diese während der Laufzeit zu vereinbarten Bedingungen in Aktien umzutauschen. Der Nachteil für dich liegt aber darin, dass Wandelanleihen viel niedriger verzinst sind als andere.

Der Käufer wird dieses Recht aber dann nutzen wenn der Wert der Aktie über dem sogenannten Wandlungspreis liegt. Falls du dies vorhast, dann lass dich von einem (möglichst) unabhängigen Wertpapierfachmann beraten.

Für das Unternehmen hat dies den Vorteil, dass es dann keine Schulden mehr hat, da Aktien eine Form von Eigenkapital darstellt.

Wer emittiert Anleihen? (= gibt solche heraus)?

Anleihen werden vom Staat, den Bundesländern, Städten und Unternehmen herausgegeben.

Deutschland

In Deutschland gilt nicht nur der Bund als Öffentliche Hand, sondern auch seine Sondervermögen, das sind insbesondere das Bundeseisenbahnvermögen und der Lastenausgleichfonds.

Österreich

In Österreich werden der Bund, die Bundesländer und die Gemeinden als Öffentliche Hand bezeichnet.

Schweiz

So werden in der Schweiz als Öffentliche Hand die Kantone und Gemeinden (diese haben eine autonome Steuerkompetenz) und privatrechtlich oder öffentlich-rechtliche organisierte Unternehmen (sind staatsnahe Unternehmen) benannt.

Wenn Unternehmen Anleihen begeben, haben diese vor allem den Vorteil, dass sie keine Sicherheiten stellen müssen, im Gegensatz zu einem Kredit bei Banken. Dabei wird unterschieden zwischen:

Fremdemissionen: In diesem Fall geben Banken (meistens mehrere gemeinsam = Konsortium) die Anleihe für das Unternehmen heraus, und erhalten dafür eine Provision von den Emittenten.

Privat Placement: Unternehmen bieten selbst eine Anleihe an, und sind dadurch vor allem unabhängig von den Banken.

Spesen bei Kauf/Verkauf und Depot

„Wer nur um Gewinn kämpft, erntet nichts, wofür es sich lohnt zu leben“ (Antoine de Saint-Exupery; 1900-1944, bekannter Autor)

Diese variieren ziemlich stark, und du sollest gut überlegen wie die Situation INSGESAMT aussieht, wobei es aber auch vom jeweiligen Auftragsvolumen abhängt, wieviel du bezahlst.

Die Depotführung ist bei vielen Online-Direktbanken kostenlos.

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