Magisches Sechseck: System der Volkswirtschaft genau erklärt!

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Inhaltsverzeichnis

Die deutsche Wirtschaftspolitik wird von einer Reihe komplexer Strukturen bestimmt, die dazu dienen, die Wirtschaft langfristig so stabil und krisensicher wie möglich zu gestalten. Durch ein Magisches Sechseck werden die bestimmten Ziele definiert, die mit der Wirtschaftspolitik erreicht werden sollen und bildet somit die Grundlage für wirtschaftliche Maßnahmen, die von der Regierung verfolgt werden.

Magisches Sechseck: Die Entstehungsgeschichte

Einen Ursprung findet ein Magisches Sechseck in dem Stabilitätsgesetz, das 1967 vom Bundestag verabschiedet wurde. Das Gesetzt entstand vor dem Hintergrund des ersten konjunkturellen Abschwungs in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Regierung unter Bundeskanzler Dr. Ludwig Erhard staatliche Eingriffe in die Wirtschaft weitgehend abgelehnt. Eine stets gespanntere Lage des Bundeshaushalts führte jedoch schließlich zum Rücktritt von Ludwig Erhard. Der neue Bundeskanzler, Kurt Georg Kiesinger, begann gemeinsam mit seinem Bundeswirtschaftsminister Dr. Karl Schiller eine Wende in der Wirtschaftspolitik herbeizuführen. Eine Reihe von Konjunkturprogrammen und das Stabilitätsgesetz sollten die seit einigen Jahren anhaltende Wirtschaftskrise und staatlicher Führung beenden.

Das Stabilitätsgesetz orientierte sich dazu an verschiedenen Zielen, die als Magisches Viereck bezeichnet wurden. Diese Ziele waren:

  • Preisstabilität
  • Vollbeschäftigung
  • Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
  • Angemessenes Wirtschaftswachstum

Das Stabilitätsgesetzt sollte der Haushaltspolitik die Möglichkeit öffnen, je nach Wirtschaftslage Maßnahmen zu ergreifen, mit denen die Wirtschaftslage beeinflusst werden kann.

Beeinflussung durch den Keynesianismus

Wenn Du die Grundidee verstehen möchtest, die hinter dieser Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik steht, ist es nötig, die Theorie des Keynesianismus zu verstehen. Der Brite John Maynard Keynes gilt als einer der wichtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und vertrat die Ansicht, dass der Markt nicht automatisch für Vollbeschäftigung sorgt, wenn er einer Selbstregulierung überlassen ist. Nach seiner Meinung ist es daher Aufgabe des Staates, durch Eingriffe Schwankungen auszugleichen. Nur so kann für eine stabile Wirtschaft gesorgt werden. Seine Lehre besagt daher, dass der Staat durch antizyklische Maßnahmen Konjunkturschwankungen ausgleichen muss, so dass eine stabile Wirtschaft entstehen kann.

Gesamtwirtschaftliche Nachfrage im Keynesianismus

Um eine wirtschaftliche Stabilität zu erzielen, betrachtet der Keynesianismus die gesamtwirtschaftliche Nachfrage als wichtigste Größe. Ein antizyklisches Verhalten der Regierung ist notwendig, um diese Nachfrage auch in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten. Damit ist dieses Verhalten die beste Möglichkeit, um ein Erreichen der Ziele des magischen Vierecks dauerhaft zu gewährleisten. Dieses Prinzip gilt auch heute weiterhin in der deutschen Wirtschaftspolitik.

Erweiterung auf ein magisches Sechseck

In den Jahren nach der Schaffung des Stabilitätsgesetzes und des magischen Vierecks kam es zu einem gesellschaftlichen Wandel, der weitere Werte hervorbrachte, die in das Viereck in ein Magisches Sechseck erweiterten. Dazu wurden die Punkte „Gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung“, sowie „Erhaltung einer lebenswerten Umwelt“ aufgenommen. Seit 1997 ist der Umweltschutz auch Teil des Grundgesetzes und gewinnt in einer Zeit von Klimawandel und steigender Besorgnis um dessen Auswirkungen eine stets höhere Bedeutung. Handelte es sich bei den Zielen des Magischen Vierecks um quantitative Ziele, so stellen die beiden Punkte, die das Viereck zum Sechseck machen, qualitative Ziele dar.

Grafig magisches sechseck

Magisches Sechseck: Die einzelnen Ziele verstehen

Um die Ziele der Wirtschaftspolitik und deren Zusammenhänge zu verstehen, ist es nötig, dass Du zunächst einmal die einzelnen Magisches Sechseck Ziele analysierst. Auf diese Weise kannst Du Kenntnis darüber gewinnen, wie und warum in der Politik bestimmte Entscheidungen getroffen werden. Entscheidungen, die von der Bundesregierung getroffen werden, können oft tiefgreifende Konsequenzen für die Bevölkerung mit sich bringen. Wenn Du das Magisches Sechseck Prinzip verstehst, nach dem diese Entscheidungen getroffen werden, so kannst Du Dich oft gegen böse Überraschungen schützen. Eine Kenntnis des Magischen Sechsecks kann Dir beispielsweise als Privatanleger dabei helfen, bestimmte Entscheidungen und deren Auswirkungen auf Deine Investitionen vorherzusagen.

Vollbeschäftigung das optimum im System des magischen sechsecks

Ziel 1: Vollbeschäftigung oder möglichst hoher Beschäftigungsgrad

Eines der Ziele des Magischen Sechsecks ist es, einen möglichst hohen Beschäftigungsrad oder Vollbeschäftigung zu erzielen. Dieses Ziel kann an der Arbeitslosenquote gemessen werden. Diese gilt als einer der Indikatoren für das Magische Sechseck. Die Arbeitslosenquote wir in Deutschland nach der folgenden Formel berechnet:

Anzahl registrierter Arbeitsloser x 100 / (Zahl aller zivilen Erwerbstätigen + Arbeitslose, die nicht registriert sind).


In der Wirtschaft spricht man von Vollbeschäftigung, wenn eine Arbeitslosenquote von weniger als 3% erzielt werden kann. Das Beruht auf der Tatsache, dass auch in einer perfekten Wirtschaftslage ein gewisses Maß an Arbeitslosigkeit nicht vermieden werden kann. Ein gutes Beispiel sind beispielsweise Bauarbeiter, die in der Winterzeit auf Grund der Wetterbedingungen nicht auf Baustellen tätig sein können. Ein gewisser Prozentsatz bei der Arbeitslosenquote besteht auch darin, dass es in der Bevölkerung immer wieder Personen gibt, die es bevorzugen, nicht erwerbstätig zu arbeiten, obwohl sie dazu in der Lage wären.
Ein Teil der Arbeitslosenquote wird auch stets durch die sogenannte friktionelle Arbeitslosigkeit hervorgerufen. Dabei handelt es sich um solche Personen, die einen Job verloren oder aufgegeben haben und auf der Suche nach einer neuen Stelle sind. Diese Arbeitslosigkeit ist in der Regel nur kurzfristig.


Eine geringe Arbeitslosenquote ist für den Staat aus wirtschaftlichen Erwägungen ein wünschenswertes Ziel. Es wird weniger Geld für die Unterstützung von Arbeitslosen ausgegeben, während sich eingenommene Beiträge für Konzepte wie Steuern und Sozialversicherungsbeitrage erhöhen.
Um das Ziel eines möglichst hohen Beschäftigungsgrads zu erfüllen, stehen dem Statt verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Dazu gehören:

  • Pläne für eine langfristige Strukturpolitik
  • Beständig neue Märkte erschließen
  • Lohnkostenzuschüsse gewähren.
  • Mit staatlichen Zuschüssen Optimierung schaffen.
STABILES PREISNIVEAU MAGISCHES SECHSECK

Ziel 2: Preisstabilität

Auch dieses Ziel markiert einen wichtigen Punkt innerhalb des Magischen Sechsecks. Eine funktionierende Marktwirtschaft kann nur dann erzielt werden, wenn das Preisniveau stabil ist. Diese Stabilität macht einerseits sozialen Frieden möglich und schafft andererseits die Basis für Anschaffungen und Investitionen. Das stabile Preisniveau wird durch die Geldpolitik gesichert, die restriktiv sein kann, wenn das nötig ist. Ein Instrument dazu ist der Leitzins. Durch Erhöhung oder Senkung des Leitzinses werden die allgemeine Geldpolitik und die Zinsentwicklung beeinflusst. Die Anhebung des Leitzinses gilt als restriktive Geldpolitik. Für die Banken wird es teurer, Geld von den Zentralbanken zu borgen. Entsprechend werden die hohen Zinsen auch an die Bankkunden weitergegeben. Für diese ergibt sich ein Szenario, bei dem Kredite teuer und unattraktiv, Sparanlagen hingegen jedoch lukrativer werden.
Die teure Finanzierung trägt dazu bei, dass Unternehmer weniger investieren. Privatleute nehmen ebenfalls weniger Kredit zum Hausbau oder zum Erwerb von Konsumgütern auf.

Der Preis kann ich mehr gesteigert werden und die Nachfrage sinkt

Die Nachfrage sinkt, wodurch Anbieter die Preise nicht mehr ohne weiteres erhöhen können. Wird der Leitzins hingegen gesenkt, so werden Kredite billiger, was die Konjunktur ankurbelt. Niedrige Zinsen machen Investitionen für Unternehmen billiger und es wird ein Beleben der Wirtschaft ausgelöst. Als Verbrauche wird es für Dich weniger interessant zu sparen, weil Du für Deine Spareinlagen nur noch wenig Rendite erhältst. Hingegen kannst Du günstig Kredite aufnehmen, so dass Projekte wie ein Hauskauf leichter finanziert werden können. Der Konsum steigt.
Meistens geht ein Senken des Leitzinses auch mit einer Abwertung der Währung Hand in Hand. Dadurch können heimische Produkte im Ausland günstiger angeboten und besser abgesetzt werden. Als Folge steigen die Exportzahlen.

Eine Inflationsrate von 2% wäre ideal

Die Europäische Zentralbank geht heute davon aus, dass eine Inflationsrate von zwei Prozent ideal ist, um Preise stabil zu halten. Steigt die Inflation rasant darüber an, so dass den Gütern ein Wertverlust droht, wird die Inflation durch ein erhöhen des Leitzinses begrenzt. Fällt die Inflationsrate hingegen wesentlich unter zwei Prozent und die Wirtschaft stagniert, so kann dieses durch ein Senken des Leitzinses angekurbelt werden.
Ein weiteres Mittel, das zur Erhaltung des Preisniveaus beitragen kann, sind gemäßigte Lohnabschlüsse, die bei Tarifverträgen ausgehandelt werden.

Ziel 3: Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Den wenigsten Menschen ist klar, was außerwirtschaftliches Gleichgewicht eigentlich bedeutet. Deshalb solltest Du zunächst einmal die Definition für diesen Begriff kennenlernen. Unter Außenwirtschaftlichem Gleichgewicht versteht man einen Ausgleich zwischen der Leistungsbilanz und dem Außenbeitrag. Das Gleichgewicht wird also immer dann erzielt, wenn das Geld, das aus dem Ausland erhalten wird, der Summe entspricht, die als Zahlungen in das Ausland geleitet wird. Vereinfacht ausgedrückt sollten die Importe des Landes den Exporten entsprechen.
Um die Wichtigkeit des Außenwirtschaftlichen Gleichgewichts erfassen zu können, solltest du die Ziele kennenlernen, die mit dem Außenhandel verfolgt werden.

magisches sechseck außenwirtschaftliches gleichgewicht

Komparativer Vorteil

Der komparative Vorteil ist der hauptsächliche Anreiz für den Außenhandel. Er entsteht immer dann, wenn in verschiedenen Ländern unterschiedliche Möglichkeiten für die Produktion bestimmter Güter bestehen. Wenn als beispielsweise in Deutschland bessere Autos gebaut werden, als in England, in England aber bessere Wollpullover hergestellt werden, so ist es sinnvoll, Autos gegen Wollpullover einzutauschen. Somit beginnt der internationale Handel.

Größen- und Lerneffekte

Globaler Handel führt zu Größen- und Lerneffekten. Der Größenvorteil ergibt sich aus der einfachen Tatsache, dass Außenhandel zu neuen Märkten für das Unternehmen führt. Das ermöglicht es den Unternehmen, ihre Produktionskapazitäten zu erhöhen und unter Umständen auf diese Weise einen geringeren Stückpreis anbieten zu können.
Durch den Außenhandel können jedoch auch Lerneffekte entstehen. Durch den Austausch mit anderen Ländern findet automatisch auch ein Austausch von Wissen statt, der sich über unterschiedliche Branchen erstrecken kann. In vielen Fällen führt dieses Wissen zu einer Verringerung der Produktionskosten.

Abbau von Marktmacht

Außenhandel kann ebenfalls dazu beitragen, die Marktmacht einzelner Unternehmen zu begrenzen oder abzubauen. Wird nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland gehandelt, so intensiviert sich der Wettbewerb. Es wird nicht mehr ausschließlich mit den Unternehmen im eigenen Land konkurriert, sondern auch mit Unternehmen im Ausland.

Wie kann außenwirtschaftliches Gleichgewicht gemessen werden?

Willst Du messen, ob ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht vorliegt, so brauchst Du nu das Verhältnis von Importen und Exporten mit den dazugehörigen Leistungsbilanzen vergleichen. Doch auch die Wechselkurse können über das außenwirtschaftliche Gleichgewicht Auskunft geben. Dabei musst Du zwischen dem nominalen und dem realen Wechselkurs unterscheiden. Der nominale Wechselkurs setzt das Wertverhältnis zweier Währungen fest. Dabei wird ein Unterschied zwischen Mengennotierung und Preisnotierung gemacht. Mit dem nominalen Wechselkurs kannst du feststellen, wie viele Einheiten einer ausländischen Währung für eine Einheit inländischer Währung erhältlich sind. Bei einem steigenden Wechselkurs erhältst Du für eine Einheit der inländischen Währung eine höhere Menge an ausländischer Währung. Ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht ist dann gegeben, wenn der Wechselkurs in den Mengennotierungen stabil bleibt.
Unter dem realen Wechselkurs versteht man den nominalen Wechselkurs, der durch das Preisniveau beider Länder bereinigt ist.

stetiges und angemessenes wirtschaftswachstum

Ziel 4: Angemessenes Wirtschaftswachstum

Soll ein Land langfristig stabil sein, so ist ein beständiges Wirtschaftswachstum dazu eine Grundvoraussetzung. Eine wachsende Wirtschaft ist Garant dafür, dass die Bürger Arbeit finden können. Das versetzt sie wiederum in die Lage, Güter zu kaufen und Steuern zu entrichten. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der die Grundlage des Handels bildet. Jedoch ist das Ziel innerhalb des Magischen Sechsecks nicht lediglich ein Wirtschaftswachstum, sondern ein Wirtschaftswachstum, das angemessen ist. Das bringt die Frage auf, was unter angemessen zu verstehen ist.
Experten gehen davon aus, dass eine jährliche Steigerung des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 5% diesen angemessenen Wert am besten darstellt. Es sei dabei angemerkt, dass diese Zahl nicht als Aussage über den tatsächlichen Wohlstand zu verstehen ist. Etliche Unbekannte, zu denen auch Schwarzarbeit gehört, verfälschen das Bild.

Warum muss das Wirtschaftswachstum angemessen sein?

Das Wirtschaftswachstum muss in der korrekten Proportion erfolgen, um Krisensituationen zu vermeiden. Eine zu schnell wachsende Wirtschaft kann zu einer Destabilisation des Preisniveaus führen und außerdem sinkende beschäftigungszahlen zur Folge haben. Das außenwirtschaftliche Gleichgewicht wird ebenfalls gefährdet. Daher kann sich ein Wirtschaftsboom sehr schnell zu einer Wirtschaftskrise entwickeln. Ist das Wachstum hingegen zu gering, so ergeben sich daraus ebenfalls negative Konsequenzen für die Wirtschaft. Deshalb versucht der Staat, das Wirtschaftswachstum auf einem kontrollierten Niveau zu halten. Ein zu schnelles sowie ein zu langsames Wirtschaftswachstum kann durch verschiedene Aktionen des Staates kontrolliert werden. Dazu gehört neben anderen Anreizen das Heben oder Senken von Steuern.

erhaltung einer lebenswerten umwelt DES MAGISCHEN SECHSECKS

Ziel 5: Magisches Sechseck die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt

Die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt ist ein Ziel, das von der Bundesregierung seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verstärkt verfolgt wird. Regierungen haben heute die verheerenden Auswirkungen menschlichen Handel auf die Umwelt erkannt. Gleichzeitig setzt das Bewusstsein ein, dass ein Fortbestehen der menschlichen Rasse auf unserem Planeten nur dann garantiert werden kann, wenn die Umwelt geschützt wird. Doch handelt es sich bei diesem qualitativen Ziel des Magischen Sechsecks möglicherweise um den Punkt, der die meisten Konflikte aufwirft. Die Wirtschaft macht sich nämlich viele natürliche Ressourcen zu nutzen, die im Rahmen des Umweltschutzes restringiert werden müssen.

Das bedeutet ein Abbremsen in zahlreichen Wirtschaftszweigen. Dadurch entsteht aber auch die Chance zur Neuorientierung und zur Entwicklung moderner, ressourcenschonender Technologien. Jedoch bedeuten solche Maßnahmen Umbruch und damit auch Unsicherheiten. Zwei Beispiele verdeutlichen diese Entwicklung. Die Autoindustrie sieht sich heute vor die Aufgabe gestellt, Elektroautos zu entwickeln, die langfristig mit Brennstoff betriebene Fahrzeuge ablösen müssen. Ähnlich betroffen ist auch der Braunkohlesektor. Die Einstellung der Förderung von Braunkohle bedeutet einen großen Verlust an Arbeitsplätzen. Eine Alternative zur Bereitstellung von neuen Arbeitsplätzen in diesem Sektor muss erst noch gefunden werden. Ein Strukturwandel muss organisiert und finanziert werden.

Magisches Sechseck Umweltschutz Messgrößen

Die Erfolge hinsichtlich der Zielerreichung im Bereich des Umweltschutzes werden die Werte der Ökobilanzen herangezogen. Deren Regeln und Grundsätze sind international durch die IOS Standards festgelegt, die auch in das deutsche DIN Norm System übertragen wurden. Die Ökobilanz kennzeichnet sich durch die folgenden vier Elemente:

  • Definition Untersuchungsrahmen und Ziel
  • Sachbilanz
  • Abschätzung der Wirkung
  • Auswertung

Neben einer generellen Ökobilanz, bei der alle Faktoren in Betracht gezogene werden, gibt es auch spezielle Bilanzen. Dazu gehören beispielsweise der CO2 Fußabdruck und der Wasserfußabdruck. Diese können einen genauen Einblick in den Treibhauseffekt beziehungsweise den Wasserhaushalt ermöglichen.

magisches sechseck einkommens- und vermögensverteilung

Ziel 6: Magisches Sechseck Gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen

Eine gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen, die von allen Bürgern als solche akzeptiert wird, ist in dem bei uns angewendeten System der freien Marktwirtschaft nur schwer zu erzielen. Weder Einkommen noch Vermögen lassen sich frei bilden, Vielmehr sind sie von dem Prinzip von Angebot und Nachfrage abhängig. Die Pro-Kopf-Lohn-Quote gilt als Indikator für dieses Ziel. Es gibt einige Mechanismen, über die der Staat die Erreichung des Ziels fördern könnte. Das kann beispielsweise durch eine Anpassung der Steuern erzielt werden. Jedoch wird eine staatliche Steuerung in diesem Sinne dadurch erschwert, dass mögliche Maßnahmen im direkten Konflikt mit anderen Zielen stehen. Das macht die gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen nicht grundsätzlich unmöglich. Jedoch muss verstanden werden, dass die Erreichung anderer Ziele dadurch unmittelbar beeinträchtigt wird.

Magisches Sechseck: Ziele und ihre Messgrößen

Der Paragraph 2 des Stabilitätsgesetzes sieht vor, dass die Bundesregierung jeden Januar einen Jahreswirtschaftsbericht zu veröffentlichen. Daraus geht unter anderem hervor, wie sich die Wirtschaft in Bezug auf das Erreichen der Ziele aus dem Magischen Sechseck entwickelt hat. Jedem der sechs Ziele sind Messgrößen zugeordnet, die einen Vergleich zu den Werten des Vorjahres möglich machen. Diese gestalten sich wie folgt:

Vollbeschäftigung: Messgröße ist die Arbeitslosenquote gemessen
Preisstabilität: Messgrößen sind Inflationsrate und der Lebenshaltungskostenindex
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht: Messgrößen sind die Werte der Zahlungsbilanzen
Angemessenes Wirtschaftswachstum: Messgrößen sind Bruttonationaleinkommen und Bruttoinlandsprodukt
Erhaltung einer lebenswerten Umwelt: Messgrößen sind die Werte von Ökobilanzen
Gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen: Messgröße ist die bereinigte Lohn- bzw. Gewinnquote

Was macht ein Magisches Sechseck magisch?

Das Wort magisch deutet in diesem Zusammenhang an, dass es für die Bundesregierung nicht möglich ist, alle sechs Ziele, die als Magisches Sechseck zusammengefasst sind, auf gleiche Weise zu fördern. Zwar sind die Ziele in einigen Bereichen kongruent, doch gibt es in anderen Bereichen Inkongruenzen, die es unmöglich machen, alle Ziele des magischen Sechsecks auf gleiche Weise zu erfüllen. Dennoch ist die Regierung durch das Gesetz dazu verpflichtet, die Ziele des Stabilitätsgesetzes einheitlich zu verfolgen.

Es gestaltet sich jedoch häufig als problematisch, die Ziele in gleichem Maße voranzutreiben. Alle sechs Ziele sind eng miteinander verbunden. So hat eine Maßnahme, die zur Erreichung eines Ziels getroffen wird, auch unmittelbar eine Auswirkung auf ein anderes Ziel. Was jedoch für ein Ziel einen Vorteil darstellen kann, wirkt sich möglicherweise auf ein anderes nachteilig aus. Betrachtest Du einmal unterschiedliche Szenarien, so kannst Du feststellen, dass bei jeder Maßnahme zumindest eines der Ziele benachteiligt wird.

Magisches Sechseck: Welche Zielbeziehungen gibt es?

Ein Magisches Sechseck zeichnet sich grundsätzlich durch drei Zielbeziehungen aus. Die einzelnen Ziele können in einer komplementären Beziehung zueinander stehen. Das bedeutet, dass Maßnahmen, mit denen die Erreichung eines Ziels gefördert wird, gleichzeitig auch einen positiven Effekt auf ein anderes Ziel haben. Besteht im Magischen Sechseck eine indifferente Beziehung, so nehmen die Maßnahmen, die zur Erreichung eines Ziels ergriffen werden müssen, keinerlei Einfluss auf ein anderes Ziel. Konkurrierende Ziele hingegen behindern sich oder schließen einander sogar aus.

Um mehrere Ziele gleichzeitig anstreben zu können, ist eine logische Vereinbarkeit vorausgesetzt. Doch sind Zielkonflikte nicht auszuschließen, selbst wenn es zwischen einigen Zielen logische Vereinbarkeit geben kann. In solchen Fällen muss ein Kompromiss geschlossen werden. Oft ergibt sich aus den Zielkonflikten jedoch ein wirtschaftspolitisches Dilemma: Es muss abgewogen werden, ob die Erreichung des einen Ziel, die Entfernung von einem anderen Ziel wert ist.

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Konflikte und Harmonien bei der Zielerreichung im Magischen Sechseck

Ein Magisches Sechseck ist ein e Figur, in der viele Maßnahmen möglich sind, die zur Erreichung eines der beinhalteten Ziele führen können. Jedoch erzeugt der Einsatz vieler dieser Maßnahmen einen negativen Effekt auf andere Ziele. So kann das außenwirtschaftliche Gleichgewicht beispielsweise durch die Erhebung von Schutzzöllen oder Einfuhrbeschränkungen erzielt werden. Solche Maßnahmen wirken sich jedoch negativ auf das Wirtschaftswachstum aus, das ebenfalls zu den Zielen im magischen Sechseck gehört. Auch die Vollbeschäftigung kann durch eine solche Maßnahme gefährdet werden.
Eine hohe Exportquote bringt auf einen starken Aufwertungsdruck mit sich. Wenn außereuropäische Länder viele deutsche Produkte einkaufen wollen, so besteht eine erhöhte Nachfrage für den Euro. Versucht man jedoch, Importe und Exporte anzugleichen, so ist eine Bremsung des Wirtschaftswachstums wahrscheinlich, da Unternehmen Teile ihres Markts einbüßen.

Zielbeziehungen Magisches Sechseck: Weitere Beispiele

Bei den Zielbeziehungen im Magischen Sechseck kann es sich um Zielharmonie oder Zielkonflikt handeln und bei Zielharmonie lassen sich die Ziele gemeinsam erreichen. An einem Zielkonflikt hingegen stört ein Ziel das andere. Bewegt man sich bei einer Zielharmonie auf einer Linie, so nähert man sich gleichzeitig zwei Zielen an. Wenn ein Zielkonflikt vorliegt, so entfernt man sich mit jedem Schritt in die Richtung auf ein Ziel weiter von dem anderen Ziel.

Vollbeschäftigung und Stabilität des Preisniveaus: Ein Zielkonflikt

Vollbeschäftigung und ein stabiles Preisniveau können zwei Ziele sein, die miteinander in Konflikt stehen. Ist eine Vollbeschäftigung erreicht, so gewährt diese Situation den Gewerkschaften eine Machtposition beim Aushandeln von Tarif Verträgen. Daher ist es ihnen möglich, höhere Löhne für Arbeitnehmer auszuhandeln. Die höheren Löhne führen jedoch dazu, dass die Produktionskosten der Unternehmen steigen. Diese erhöhten Kosten werden nun durch erhöhte Preise an die Kunden weitergegeben. Gleichzeitig erhalten die Arbeitnehmer durch die Lohnerhöhungen eine größere Kaufkraft und die Nachfrage für Güter steigt. Eine steigende Nachfrage sorgt ebenfalls für einen Preisanstieg. Befindet sich ein Staat also in einem Zustand der Unterbeschäftigung und beginnt damit, Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer Vollbeschäftigung führen, so kann die Magisches Sechseck Preisstabilität verletzt werden. Beide Ziele stehen im Konflikt und können nicht gleichzeitig erreicht werden.

Magisches Sechseck: Zielkonflikt zwischen Vollbeschäftigung und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht

Ein Staat kann einen Exportüberschuss erzielen, wenn mehr Güter in das Ausland exportiert werden, als Güter aus dem Ausland importiert werden. In einem solchen Fall kann der Staat Maßnahmen ergreifen, um den Exportüberschuss zu reduzieren. Dazu können Exportzölle, eine Erhöhung der Währung oder auch Vereinbarungen mit anderen Ländern gehören. Diese Maßnahmen haben dann zur Folge, dass Unternehmen auf ausländischen Märkten weniger Nachfrage für ihre Produkte finden. Das führt zu einer Begrenzung der Produktion. Für eine geringere Produktion werden weniger Mitarbeiter gebraucht und die Unternehmen entlassen Personal, um ihre Betriebskosten der aktuellen Situation anzupassen. Eine höhere Arbeitslosigkeit entsteht und der Staat entfernt sich von der Erreichung des Ziels Vollbeschäftigung, während er sich dem Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts annähert. Es besteht also ein Magisches Sechseck Zielkonflikt.

Jedoch ist es auch möglich, dass zwischen Vollbeschäftigung und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht auch eine Zielharmonie bestehen. Das ist der Fall, wenn in einem Staat ein Importüberschuss besteht. Es werden also mehr Güter importiert, als exportiert. Um das außenwirtschaftliche Gleichgewicht zu erzielen, wird der Staat also Maßnahmen treffen, die Importe weniger attraktiv machen und gleichzeitig ein Klima schaffen, in dem Exporte begünstigt werden. Als Konsequenz steigt die Nachfrage für Güter aus dem Inland. Um die Nachfrage zu erfüllen, müssen Unternehmen ihre Kapazitäten erhöhen. Dazu werden mehr Arbeitnehmer eingestellt. Während ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht erzielt wird, nähert man sich auch gleichzeitig einer Vollbeschäftigung an. Es besteht in diesem Falle eine Harmonie der Ziele.

Magisches Sechseck: Zielbeziehung zwischen außenwirtschaftlichem Gleichgewicht und Preisniveaustabilität

Die Erzielung eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts kann mit dem Ziel der Preisniveaustabilität in Harmonie, aber auch in Zielkonflikt stehen. Kann das außenwirtschaftliche Gleichgewicht durch eine Reduzierung des Exportüberschusses erreicht werden, so sinkt damit die Zahl der Beschäftigten. Aus einem vorangegangenen Beispiel wurde bereits ersichtlich, dass Preisstabilität und Vollbeschäftigung miteinander im Konflikt stehen. Führt der Ausgleich des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts also von der Vollbeschäftigung weg, so wird gleichzeitig eine Preisstabilität erreicht.

Muss jedoch im gegenteiligen Fall ein Importüberschuss ausgeglichen werden, um ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht zu erzielen, so nähert sich der Staat gleichzeitig der Vollbeschäftigung an, wodurch ein anteigen der Preise ausgelöst wird. In diesem Fall entsteht also ein Zielkonflikt.

Vollbeschäftigung und angemessenes Wachstum: Magisches Sechseck Konflikte und Harmonien

Um ein angemessenes Wachstum erzielen zu können, sind Investitionen nötig. Sollen Investitionen getätigt werden, so ist jedoch auch ein gewisses Sparverhalten nötig, um diese finanzieren zu können. Um Sparen zu können, wird der Konsum begrenzt und es entsteht eine verminderte Nachfrage. Dadurch wird auch die Beschäftigung geringer. Eine geringere Beschäftigungszahl führt zu Preisstabilität. Somit entsteht eine Zielharmonie zwischen angemessenem Wachstum und Preisstabilität, doch es kommt zu einem Zielkonflikt mit der Vollbeschäftigung.

Besteht eine Vollbeschäftigung, so ist es möglich, viel zu sparen. Ein hohes Sparen begünstigt Investitionen, die für ein angemessenes Wachstum nötig sind. Vollbeschäftigung macht eine Kapitalbildung und angemessenes Wachstum leichter möglich, so dass eine Harmonie der Ziele besteht.

Magisches Sechseck: Zielkonflikt zwischen Wirtschaftswachstum und lebenswerter Umwelt

Ein angemessenes Wirtschaftswachstum setzt voraus, dass ein Staat das Bruttoinlandsprodukt (BIP), im Laufe eines Jahres erhöhen kann. Dieses Wachstum ist nötig, um den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen. Das Wachstum kann auf zwei unterschiedliche Arten erzielt werden.

  • Eine Erhöhung der Produktion bereits bestehender Güter
  • Eine Entwicklung von neuen Produktionsmethoden und die Einführung von neuen Produkten auf den Markt.

Wird die Produktion erhöht, so führt das gleichzeitig zu einer höheren Ausbeutung von Energie- und Rohstoffquellen. In vielen Fällen führen die Produktionsvorgänge auch zu einer verstärkten Belastung der Umwelt mit Schadstoffen. Das ist besonders in den Entwicklungsländern der Fall. Das wiederum führt zu Bodenerosion, Verminderung der Wälder und einem Eingrenzen des Lebensraums von Pflanzen und Tieren. Ein hoher Konsum von neuen Produkten macht die Entsorgung alter Produkte und alter Produktionsanlagen nötig, was zu einer weiteren Umweltbelastung führt.
Verbrauchte Rohstoffe können von der Natur kurzfristig nicht wieder bereitgestellt werden. Gleichzeitig entstehen an der Natur Schäden, die irreparabel sind. Durch diese Schäden wird die Lebensgrundlage für die Menschen gefährdet. Daher besteht zwischen einem angemessenen Wachstum und einer lebenswerten Umwelt ein Zielkonflikt.
In der Wirtschaft müssen heute daher Produkte und Produktionsmethoden entwickelt werden, mit denen Schadstoffemissionen vermindert oder völlig vermieden werden können und Rohstoffquellen geschont werden können. Ziel dabei ist es, eine Zielharmonie zwischen angemessenem Wachstum und einer lebenswerten Umwelt zu erzielen.

Magisches Sechseck: Problematik der Zielbeziehung zwischen einem angemessenen Wirtschaftswachstum und einer gerechten Einkommens- und Vermögensverteilung

Zwei Magisches Sechseck Ziele, deren Vereinbarung sich als problematisch erweist, sind das Wirtschaftswachstum und die gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen. Das liegt in erster Linie an unserem Wirtschaftssystem. Ziel unserer Marktwirtschaft ist es, dass Unternehmer selbständig und effizient arbeiten, um so Unternehmen und Volkswirtschaft gleichermaßen zu begünstigen. Die Idee dabei ist, dass der Staat so wenig wie möglich in die Ökonomie eingreift. Dadurch ist es für den Staat jedoch auch schwerer, das Ziel der gerechten Einkommens- und Vermögensverteilung zu erzielen. Erfolgt keine Regulierung, so entwickeln sich Marktmächte, durch die eine Diskrepanz zwischen Arm und Reich weiter vergrößert wird. Das steht im Gegensatz zu einer Planwirtschaft, bei der alle wirtschaftlichen Prozesse vom Staat kontrolliert werden. Einige der wenigen Maßnahmen, die der Staat im System der freien Marktwirtschaft benutzen kann, sind progressive Steuern. Sie erlauben es, die Verteilung von Einkommen und Vermögen ein wenig gerechter zu gestalten.

magisches sechseck entwicklung

Magisches Sechseck Umsetzung

Das Magische Sechseck ist im Stabilitätsgesetz verankert. Dabei erhalten alle Magisches Sechseck Ziele Gleichrangigkeit, so dass es stets Aufgabe der Regierung ist, das Erreichen aller sechs Magisches Sechseck Ziele gleichzeitig zu erzielen. Könnten alle Ziele gleichzeitig erreicht werden, so wäre ein makroökonomisches Gleichgewicht erzielt. In diesem Zusammenhang solltest Du bemerken, dass die Europäische Zentralbank das Ziel der Preisstabilität in ihrer Geldpolitik allen anderen Zielen voranstellt. Dort existiert die Gleichrangigkeit, die das deutsche Gesetzt vorsieht, nicht.
Der Erfolg bei der Implementierung von wirtschaftlichen Maßnahmen ist nur dann kontrollierbar, wenn sich die einzelnen Ziele messen lassen. Ziele wie Vollbeschäftigung oder Wirtschaftswachstum können leicht gemessen werden, während das bei anderen Zielen schwerer fallen kann. In einem solchen Fall kann eine Ordnung nach Rängen eingesetzt werden. Diese kann beispielsweise zum Vergleich von Zuständen eingesetzt werden: Zustand A ist besser, als Zustand B, der wiederum besser ist, als Zustand C. Auf diese Weise ist e möglich, zu bestimmen, ob in Bezug auf die Erreichung der Ziele Erfolge verzeichnet werden können.

Magisches Sechseck: Einsatz von Wirtschaftspolitischen Instrumenten

Um die Magisches Sechseck Ziele zu erreichen, werden wirtschaftspolitische Instrumente eingesetzt. Solche Instrumente können unterschiedlich intensiv in den Wirtschaftsverlauf eingreifen und einen verschiedenen Grad von stattlichem Zwang darstellen.
Programminformation sowie Lageinformation gehören zu den Instrumenten, die dem Staat zur Verfügung stehen. Sie bieten Information über geplante Programme, beziehungsweise Analysen über die aktuelle Situation.
Häufig versucht der Staat auch, das Verhalten der privaten Akteure zu verändern. Man spricht dabei von instrumentaler Verwendung der Information. Dazu können beispielsweise Aufforderungen gehören, inländische Güter gegenüber Importgütern den Vorzug zu geben. Durch eine solche Maßnahme versucht der Staat, ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht zu erzielen.


Intensivere Instrumente sind solche, bei denen Marktpreise und institutionelle Bedingungen verändert werden, um Ziele des magischen Sechsecks zu begünstigen. Zu den Instrumenten gehören Zölle auf ausländische Produkte, Subventionen oder auch geld- und kreditpolitische Eingriffe. Als noch fundamentalere Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen gelten Veränderungen der Eigentumsordnung und des Vertragsrechts, oder des Wettbewerbsrechts. Bei freien Berufen kann auch eine Regulierung des Marktzugangs stattfinden.
Zielwirkungen können auch durch direkte Aktionen des Staats ausgelöst werden, beispielsweise durch eine direkte Bereitstellung von öffentlichen Gütern. Das Einkommen kann sowohl durch Steuern als auch durch Sozialhilfen beeinflusst werden. Schließlich kann durch Nachfrage oder Angebot des Staats auch der Preis beeinflusst werden. Das geschieht beispielsweise im Rahmen der Agrarpolitik, wenn landwirtschaftliche Produkte wie Getreide, Butter oder Milch angekauft werden.

Grafig magisches sechseck gut erklärt

Magisches Sechseck Kritik

Kritik an dem Stabilitätsgesetz und des ersten Magischen Vierecks besteht bereist, seit es 1967 in Kraft trat. Zu den ersten Kritikpunkten gehörte der unzureichende Zielkatalog. Es wurde bemängelt, dass keine qualitativen Ziele verteilungstechnischer Natur oder in Bezug auf Umweltschutz berücksichtigt waren. Dieser Kritik wurde Folge geleistet, indem man das Magische Viereck in ein Magisches Sechseck verwandelte, indem nun auch eine lebenswerte Umwelt sowie eine gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen Teil der wirtschaftlichen Ziele bilden.
Doch werden auch weitere Kritikpunkte laut Dazu gehören beispielsweise:

  • Ordnungspolitischen Vorbehalte, eine Deformierung der Marktwirtschaft
  • Die Lückenhaftigkeit der Instrumente, wie Steuern und Abschreibungspraxis
  • Eine unzureichende Einbeziehung von Ländern und Gemeinden

Immer häufiger werden auch Stimmen laut, die den Ansatz des Stabilitätsgesetzes von 1967 vollkommen ändern möchten. Sie argumentieren, dass internationale Finanz- und Wirtschaftskrisen, die Digitalisierung sowie der Klimawandel die Gesellschaft dazu herausfordern, neue Ansätze bei der Bestimmung der wirtschaftlichen Ziele zu definieren.

Magisches Sechseck: Vorstöße zur Änderung des Stabilitätsgesetztes

Die Ökonomen Sebastian Dullien und Till van Treeck bieten den bisher prominentesten Vorstoß zu einer Änderung des Magischen Sechsecks, der im Jahr 2012 in einem Konzeptpapier vorgestellt wurde. Gemäß ihrer Beobachtungen ist der wirtschaftspolitische Rahmen in Deutschland, der von dem Magischen Sechseck geleitet wird, immer mehr von der Realität entfremdet. Aus dieser Überlegung heraus formuliertes sie ein neues magisches Viereck. Die darin formulierten Ziele waren die folgenden:

  • Materieller Wohlstand
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Soziale Nachhaltigkeit
  • Zukunftsfähigkeit von Staatstätigkeit und Staatsfinanzen

Nach der Vorstellung der beiden Ökonomen sollten diese vier Ziele durch verschiedene messbare Unterziele definiert werden. SPD und Grüne übernahmen die Idee im Jahr 2013 in ihr Wahlprogramm für die Bundestagswahlen. Nach Ende der Wahlen legten CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag eine Überprüfung des bestehenden Stabilitätsgesetzes fest. Der Vorschlag wurde jedoch im Jahr 2015 von einem Sachverständigenrat abgelehnt. Die Begründung war, dass die Ziele des vorgeschlagenen neuen Magischen Vierecks zu umfangreich seien, um mit bestehenden Instrumenten der Wirtschaftspolitiker angegangen zu werden.

Magisches Sechseck: Abwendung vom Keynesianismus

Zur Magisches Sechseck Kritik gehört auch zunehmend eine Kritik am Keynesianismus selbst. Der den Ansatz für das Stabilitätsgesetz und ein magisches Sechseck lieferte. Von Kritikern des Gesetzes wird besonders die Nachfragepolitik in Frage gestellt. Viele Experten würden dies lieber durch eine Angebotspolitik abgelöst sehen. Monetarismus und theoretische Denkansätze der Neoklassik liegen dieser Idee zu Grunde, die besonders von dem Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman vertreten wird. Ökonomische Bedingungen haben sich seit 1967 verändert und in der Praxis der Wirtschaftspolitik erscheint es heute oftmals, als on das Stabilitätsgesetz allmählich in Vergessenheit berät. Das äußert sich in Maßnahmen, die ergriffen werden, obwohl sie eindeutig außerhalb des Gesetzes liegen, auch wenn sie die gleiche Zielsetzung verfolgen. So ist es nicht verwunderlich, dass bei Wirtschaftsexperten das Vertrauen in die Effizienz einer von Nachfrage getriebenen Finanzpolitik geschwunden ist.

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