Börse 6 Fakten die Du wissen solltest! Börsencrash und Betrüger

Börse 6 Fakten die Du wissen solltest! Börsencrash und Betrüger

So sieht der Alltag an der Börse aus: „Die Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien als Idioten oder mehr Idioten als Aktien gibt“ (Andre Kostolany; 1906-1999, Börse- und Finanzexperte)

Natürlich geht es bei uns nicht um die Geldbörse (manchmal auch Brieftasche genannt), die jeder von uns besitzt, sondern im Zusammenhang mit Wertpapiergeschäften.

Nachfolgend findest du eine kurze Darstellung über die Geschichte der Börse.

Die Geschichte der Börse

Die Börse ist weder ein Jahrmarkt noch ein Fischmarkt. Daher die Frage: Wer darf an der Börse handeln?

Das Wort „Börse“ geht auf die Kaufmannsfamilie van der Burse zurück, die von 1257 bis 1457 Handel betrieb, und zwar in Brügge. In deren Haus wurde nach vorgegebenen Spielregeln gehandelt, die es so vorher nicht gab. Diese Familie hatte in deren Wappen drei Geldbeutel, die im Lateinischen bursa genannt werden. Auf diese Art und Weise entstand der heutige Begriff Börse.

Wo die erste Börse der Welt tatsächlich stand, ist nicht ganz geklärt, in Frage kommen dafür eben Brügge, aber auch Antwerpen und Amsterdam.

In weiterer Folge entstanden die Börsen in Augsburg, Köln und Lyon (alle im Jahr 1540). In London wurde die Börse 1571 gegründet, jene in Wien 1771, die bis heute größte Börse der Welt, die New Stock Exchange (falls du schon einmal die Abkürzung NYSE gehört hast), wurde 1792 gegründet.

Funktion und Bedeutung. Wer darf an der Börse handeln?

Was zeichnet aber nun eine Börse aus? Das Besondere kann damit beschrieben werden, dass in Abwesenheit der Ware gehandelt wird und somit ein großes Vertrauen zwischen den Händlern vorliegen muss. Ist also nicht vergleichbar mit Märkten, auf denen du einkaufen gehst, denn dort ist die Ware physisch vorhanden. Falls du schon einmal im Orient auf einem Markt warst, weißt du, was dort handeln bedeutet. Es ist analog wie im Tischtennis, die Preise zwischen den Käufern und Verkäufern wechseln in Sekundenschnelle.

Daher sind nur Vertreter von Banken und Makler berechtigt, Geschäfte an der Börse durchzuführen und es gibt ganz strenge Bestimmungen, wie diese ablaufen.

Gehandelt wird mit Wertpapieren jeder Art (darauf kommen wir noch), mit Devisen (= einfach ausgedrückt, „ausländisches“ Geld, das nicht in die Hand genommen werden kann; Beispiel: du überweist Geld von Deutschland/Österreich/Schweiz in die USA), Waren, Rohstoffen, aber auch zum Beispiel mit landwirtschaftlichen Produkten.

Eine wichtige Voraussetzung bildet die Fungibilität, d.h. alles muss austauschbar sein, ansonsten wäre ein sinnvoller Handel nicht möglich.

Wie entstehen die Kurse? Was ist ein Börsenindex?

Nun zunächst zum Begriff „Börsenkurs“:  das ist nichts anderes als der Preis, der für ein Wertpapier, eine Ware usw. geboten wird. Im deutschen Börsenrecht wird dieser Börsenpreis genannt.

Wie entsteht aber ein Kurs? Es ist wie meistens im Leben so, dass dieser zusammenhängt mit dem Angebot und der Nachfrage. Die Kauf- und Verkaufsaufträge werden einander gegenübergesellt, wobei es natürlich auch dabei ganz strenge Regeln gibt.

Übrigens: wie lebhaft es auf den Börsen zugeht, hast du sicher schon einmal im TV gesehen. Vor allem an der New York Stock Exchange, ist der Betrieb vergleichbar Bienenhaus – hektisches Treiben, Zurufe und alle möglichen Handzeichen sind an der Tagesordnung.

Welche sind die bedeutendsten Börsen der Welt?

Die mit weitem Abstand größte Börse der Welt ist die bereits erwähnte New York Stock Exchange (NYSE), wahrscheinlich hast du dafür auch schon den Ausdruck „Wall Street“ gehört. An dieser Börse werden die Wertpapiere von rund 3.000 Unternehmen gehandelt, die Marktkapitalisierung überschritt im Juni 2018 rund 21 Billionen (!) US-Dollar (= Wert aller Aktien).

Im Zusammenhang mit der Börse in New York ist dir sicher auch der Dow-Jones-Index geläufig, der seit 1884 eine der allerwichtigsten Aktienindices der Welt darstellt. Dieser spiegelt die Entwicklung des US-Aktienmarktes mit den 30 größten börsennotierten Unternehmen der USA wieder. Kurz gesagt erfolgt die Gewichtung (=Errechnung) aufgrund der Größe jener Firmen, die im Index enthalten sind.

Exkurs: „Börsennotiert“ bedeutet – ganz kurz und einfach erklärt – dass Wertpapiere eines Unternehmens an einer Börse gekauft bzw. verkauft werden können.

Ein weiterer – in Europa – besonders bekannter Index ist der deutsche DAX, in diesem sind ebenfalls 30 börsennotierte Unternehmen enthalten.

Die Börse BATS Global Markets hat deren Sitz in Kansas City (USA), an der u.a. die Deutsche Bank sowie Credit Suisse beteiligt ist.

Die größte Börse in China ist die Shanghai Stock Exchange, an der die Aktien von etwa 1.000 Unternehmen gehandelt werden.

Die London Stock Exchange gilt als die größte Börse in Europa und besitzt Anteile an der Borsa Italiana (Italien).

Wann gab es die größten Börsenkrachs?

„In der heutigen Wirtschaftswelt macht man keinen Fehler, sondern man hat ein Problem“ (Dr. Ernst Reinhard; geboren 1932, Schweizer Publizist und Aphoristiker)

Den ersten nennenswerten Börsenkrach gab es 1637 in den Niederlanden, und zwar den sogenannten „Tulpenzwiebel-Crash“. Viele Jahre hindurch hatten vor allem Spekulanten mit Tulpenzwiebeln gehandelt; als die Preise dann eine völlig unrealistische Höhe erreichten, stiegen mehrere Anleger aus (= verkauften) um sich einen Gewinn zu sichern. Daraufhin platzte die Blase und trieb viele Menschen in den finanziellen Ruin.

Der wahrscheinlich bekannteste Börsenkrach der Vorkriegszeit (vor dem Zweiten Weltkrieg) war jener an der bereits erwähnten Wall Street. In einer länger andauernden Hochkonjunktur in den USA und den damit steigenden Börsenkursen ließen sich viele Menschen dazu verleiten, den so ziemlich größten Fehler als Aktienkäufer zu begehen: Wertpapiere auf Kredit zu kaufen.

Am sogenannten Schwarzen Freitag, den 25. Oktober 1929, sanken die Kurse unverhältnismäßig stark und brachen am Folgetag total ein. In Panik geraten versuchten nun viele ihre Aktien zu verkaufen und lösten damit eine verheerende Kettenreaktion aus. Der ebenfalls bereits erwähnte Dow Jones Index verlor daraufhin bis zu 85 % seines ursprünglichen Wertes.

Die katastrophale Wirtschaftskrise

Die Folge davon war, dass nicht nur in den USA eine bis dahin in diesem Ausmaß unbekannte völlig katastrophale Wirtschaftskrise ausbrach, sondern auch die gesamte Welt davon erfasst wurde.

Für Deutschland bedeutete dies eine immense Verstärkung einer ohnehin schon vorhandenen Krise (sogenannte Weimarer Republik), und trug in der Folge dazu bei, den Weg für Hitler mit seiner NSDAP zu ebnen.

Für Österreich waren die Auswirkungen besonders groß, da nach dem Zusammenbruch der Monarchie der Staat auf ein Vielfaches zusammenschrumpfte. Bezeichnend war vor allem die Pleite der damals größten Bank des Landes, der Creditanstalt, im Jahr 1931.

Der Schwarzen Montag der USA

Ebenfalls an der Wall Street gab es den sogenannten Schwarzen Montag, und zwar am 19. Oktober 1987, da das Haushaltsdefizit der USA sowie die Inflation den Anlegern große Sorge bereitete. Innerhalb von wenigen Stunden sank der Dow Jones Index um etwa ein Viertel.

Zum Glück hatte dieser Crash im Gegensatz zu jenem im Jahr 1929 nur ganz kurzfristige Auswirkungen, da die Notenbank der USA eingriff und Schlimmeres verhindern konnte.

Der nächste Crash fand 1998 in Russland statt. Die Russen hatten nämlich deren Währung, den Rubel, an den Dollar gebunden. Dies hatte später zur Folge, dass die wirtschaftlichen Probleme so massiv wurden, dass sich der Staat dazu gezwungen sah, den Kurs wieder frei zu geben. Als Konsequenz daraus ergab sich eine (vorübergehende) Zahlungsunfähigkeit Russlands.

Anschlag in New York auf das World Trade Center

Einer der wohl bekanntesten Börsenkrachs der unmittelbaren Vergangenheit wurde durch den Anschlag in New York auf das World Trade Center am 11. September 2001 ausgelöst. So verlor der DAX innerhalb kürzester 10 % seines Wertes.

Explosion der Immobilienblase

Der zeitlich letzte allgemein bekannte Crash fand im Jahr 2008 statt. In den USA platzte die Blase der Immobilienbranche, worauf auch viele Banken in eine Krise gestürzt wurden. Viele davon mussten durch finanzielle Unterstützung des Staates gerettet werden. Einer der Höhepunkte war der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008.

Von einem Platzen einer Immobilienblase wird dann gesprochen, wenn Immobilien deutlich überbewertet werden, und dann am Höchststand die Preise relativ schnell fallen und für viele Menschen sogar so weit geht, dass deren Existenz vernichtet wird.

Wer waren die größten Börsenbetrüger?

Bernard Madoff

Der größte Anlegerbetrüger aller Zeiten war Bernard Madoff, der mit einem ausgeklügelten Schneeballsystem die Anleger hinter das Licht führte und einen Schaden von rund 50 Milliarden (!) Dollar hinterließ. Es gelang ihm nämlich auch die Börse in New York, die NYSE, zu täuschen, vor allem deshalb, da er eine Komplizin hatte, die an entscheidender Stelle saß.

Schneeballsystem bedeutet, dass die Anleger zwar extrem hohe und damit auch völlig unrealistische Zinsen erhielten, die er mit dem Geld der nächsten Kunden bezahlte.

Besonders tragisch waren die Konsequenzen für die in den USA stark verbreiteten Pensionskassen, die bei Madoff deren sämtliches Kapital verloren. Eine Unzahl von Menschen verarmte aufgrund der nunmehr ausbleibenden Pensionen.

Im Jahr 1995 flog ein Skandal auf, der den Ruin einer äußerst traditionsreichen Bank in England bedeutete, und zwar der Barings Bank, deren Ursprung es schon im Jahr 1717 gab.

Nick Leeson, ein Angestellter der Barings Bank in Singapur, hatte unerlaubterweise hoch riskante Zins-und Indexspekulationen durchgeführt. Dies war deshalb möglich, da der Händler in der Bank nicht nur für die Abwicklung der Geschäfte, sondern auch für deren Verbuchung zuständig war, und sich somit selbst (!) kontrollierte. Ein natürlich katastrophaler Fehler in der Organisation der Barings Bank.

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